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Mullah Nasrudin
Mullah Nasruddin soll höchstwahrscheinlich eine historische Figur oder ein Pseudonym sein. In Afghanistan und Iran ist er als "Molla Nassrudin" bekannt. Der Seldschuken Sultan Alauddin Jahansuz (Weltverbrenner) im 13. Jahrhundert, der die blühenden Städte der Ghaznaviden wie Ghazni und Bost niederbrannte, soll einer seiner übelsten Zeitgenossen gewesen sein.
In Europa ist er als halblegendärer Volksweiser, Held einer Schwanksammlung und türkischer Eulenspiegel bekannt. Die älteste handschriftliche Sammlung seiner Geschichten soll aus dem Jahre 1571 stammen. In der Türkei wird er als Hodscha Nasreddin bezeichnet. Dort soll er auch begraben sein. Er soll viele Gräber in verschiedenen Orten haben, die als Wallfahrtsstätte dienen. Sein Grab soll bei Besuchern Heiterkeit auslösen. Die Vorderseite seines Grabes hat ein Mauerwerk, während die drei anderen Seiten des Platzes ohne Mauer sind. Das Lustige dabei ist, dass das Tor, welches zu seinem Grabe führt, mit einem enorm großen Schloss verriegelt sei.
Die lustigen Geschichten und Anekdoten von Mullah Nassruddin sind in ganz Afghanistan, in Iran, in Tadschikistan und in der Türkei sehr bekannt und beliebt. Bei den Geschichten geht es um humorvolle Darstellungen der Unzulänglichkeiten von Menschen. Der Held und häufig der Adressat, selbst der Mullah, nimmt eine ambivalente Haltung ein, dessen Sprüche und Übertreibungen von einer totalen Naivität bis hin zu einem cleveren Einfallsreichtum und Schlagfertigkeit reicht. Sie sind ein Gemisch von selbstironischer und sozialkritischer Interpretation jener Zeit. Seine Geschichten sind zeitlos, seit mindestens 500 Jahren werden sie mündlich weitergegeben. Sie variieren von Erzähler zu Erzähler. Dennoch gehören sie zur Trivialliteratur der Völker der Region. Sie haben für die Menschen eine kathartische Funktion. Diese reinigende Funktion kann durchaus mit der Wirkung des Trauerspiels verglichen werden. Wie die klassischen Dramen die Menschen zum Weinen bringen und somit durch die Tränen sowohl den Körper und als auch die Seele reinigen (Dramentheorien von Aristoteles bis Goethe), so können auch beim Lachen Tränen fließen und Körper vibrieren lassen. Menschen reagieren ihre inneren Spannungen ab. Nicht zuletzt wird in Afghanistan das Lachen als Salz des Lebens bezeichnet. In ihrer Freizeit erzählen junge und alte Menschen in Afghanistan diese Geschichten, wenn sie beisammen sind.
Die Geschichten und Anekdoten von Mullah Nasruddin sind vergleichbar mit den Geschichten von Till Eulenspiegel, was die Darstellung der komischen Situationen des Lebens anbelangt. Sie sind vergleichbar mit den Geschichten des Barons von Mönchhausen, was die Übertreibung betrifft.
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